Unter der Drachenwand

Unterrichtsideen zu Arno Geigers Roman

Geigers Roman ist in NRW 2022 sowie 2023 Pflichtlektüre im Zentralbitur des Leistungskurses Deutsch. In diesem Beitrag werden daher Unterrichtsideen für eine Reihe vorgestellt. Viel Spaß!

Kurzer Disclaimer: Wie immer sind die folgenden Ausführungen als Inspiration, nicht als abgeschlossen oder absolut zu verstehen.

Über den Roman ins Gespräch kommen – Lesemotivation aufbauen

Bevor der Roman von den Schülerinnen und Schülern (z. B. über die Ferien oder einen anderen Zeitraum) selbstständig gelesen wird, kann bereits ein Einstieg darüber erfolgen, was sie von dem Roman erwarten. Dazu werden das Cover des Buches sowie Zitate aus Rezensionen (von der Lehrkraft ausgewählt) herangezogen, die dazu dienen, sich einen ersten Eindruck über den Roman zu verschaffen. Zudem wird das Buch gemeinsam ,,angelesen“. Eine kollaborative Sammlung der Eindrücke in digitaler Form (z. B. über FLINGA oder Padlet) dient als Gesprächsgrundlage, um beispielsweise Themen und Figuren des Romans kennenzulernen. Im besten Fall wird so eine Lesemotivation für den individuellen Leseprozess aufgebaut.

Den Roman eigenständig lesenEindrücke kollaborativ sammeln

Haben die Lernenden die Aufgabe, den Roman bis zu einem festeglegten Datum ganz gelesen haben zu müssen, so ist es ein motivierendes Vorgehen, Etappenziele in Form eines Padlets (Regalansicht) festzuhalten. Die Schülerinnen und Schüler haben dann (anonym) die Möglichkeit, individuelle Leseeindrücke sowie Fragen zu einem bestimmten Abschnitt in einer Spalte festzuhalten. Eindrücke von anderen Mitschülerinnen und Mitschülern motivieren zum weiteren Lesen und der Textauseinandersetzung. Diese können später im Unterricht aufgegriffen werden: So erfolgt beispielsweise am Ende der Reihe eine Reflexion darüber, ob die Lernenden ihre ersten Eindrücke bestätigt fühlen und Fragen, die sie zu Beginn der individuellen Lektüre hatten, nun klären können.

In diesem Artikel habe ich weitere Ideen zum Lesen von Ganzschriften festgehalten.

Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrages ist es so, dass es bei YouTube nur ein Lernvideo gibt, die sich die Lernenden zur Erschließung des Handlungsverlaufs (Zusammenfassung) anschauen könnten. Das Video verlinke ich hier.

Die Figurenkonstellation erschließen

Mithilfe von FLINGA Whiteboard wird die Figurenkonstellation in Gruppen kollaborativ erarbeitet. Entweder stellt man den Schülerinnen und Schülern ein blankes Whiteboard zur Verfügung oder man bereitet ein Whiteboard vor, auf dem schon Figuren (z. B. auch ,,falsche=zusätzliche“ Figuren) vorgegeben sind. Die Lernenden müssen in Gruppen klären, welche Figuren Teil der Handlung sind und Verbindungen (Pfeile, Texterläterungen) zu anderen Figuren erzgänzen. Redundante Figuren werden aus dem Whiteboard gelöscht.

Multiperspektivität und Erzähler:innen untersuchen

Auf der Grundlage der Figurenkonstellation kann zunächst die Frage geklärt werden, aus welcher/welchen Perspektive/n der Roman erzählt wird, wie der Roman generell aufgebaut ist und welchen Effekt dies erzeugt. Die vier Perspektiven (Veit Kolbe, Lore Neff, Kurt Ritler, Georg Meyer ) werden dann näher in den Blick genommen, indem die Figuren arbeitsteilig näher vorgestellt werden bzw. deren Geschichte und Schreibstil an ausgewählten Textstellen nachgezeichnet und analysiert wird. Die Sammlung erfolgt kollaborativ in einem gemeinsamen Padlet, was den Vorteil hat, dass die Arbeitsergebnisse dann schon automatisch für alle an einem Ort gesichert sind. Es schließt sich die Frage an, welche Wirkung die Wahl der Multiperspektivität der Figuren (ohne auktorialen Erzähler) für den gesamten Roman hat.

Figuren(entwicklung) sowie die Bedeutung der Leitmotive untersuchen

Die Ergebnisse von Analysen zu einzelnen Figuren (und deren Entwicklung) oder Leitmotiven (Gewächshaus, Drachenwand) werden sichpunktartig digital festgehalten. Dafür kann Padlet oder das persönliche Lernmanagementsystem genutzt werden. Beispielsweise werden die Hinweise auf die Textstellen zu einem Analyseaspekt von der Lehrkraft in themenbezogenen Spalten hinterlegt, sodass die Schülerinnen und Schüler dort auch direkt ihre Ergebnisse eintragen können.

Erzähltechnik untersuchen

Auszüge aus dem Roman eigenen sich gut, um Fachbegriffe der Erzähltechnik zu wiederholen, erklären und anzuwenden. Dies geschieht beispielsweise mithilfe eines interaktiven Bildes: Ein Auszug eines Textauszuges (oder mehrerer Auszüge) wird als Bild hochgeladen, die Erklärungen zur Erzähltechnik hinter Icons, die auf eine Textstelle verweisen, hinterlegt. Geübt wird (unter Zuhilfenahme des Bildes) selbstständig an anderen Textstellen. Möglich sind auch Zuordnungsaufgaben (Textstelle, Fachbegriff) mit dem Tool FLINGA oder Oncoo. Natürlich sollte die Funktion bzw. Wirkung der eingesetzten Technik im Anschluss diskutiert werden (z. B. Etablieren von Nähe zu den Figuren).

Weitere Artikel zur modernen Erzähltechnik oder eine Zusammenfassung relevanter Begriffe befinden sich auch im Netz, wenn man mithilfe entsprechender Schlagwörter sucht.

Rezensionen im Videoformat

Im Netz befinden sich nicht nur vielfältige schriftliche Rezensionen, sondern auch Rezensionen im Videoformat. Diese bieten Anlass für eine Diskussion im Unterricht, bei dem die Frage im Mittelpunkt steht, ob und inwiefern der Roman als gelungen bezeichnet werden kann. Aus den Videobeiträgen lassen sich z. B. Kategorien zur Beurteilung, ob der Roman lesenswert ist, ableiten. Diese Kriterien könnten aber natürlich auch vor Anschauen der Rezensionen mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet werden, sodass nicht nur inhaltlich Stellung zu den Punkten des Rezensenten genommen wird, sondern auch zu den aufgegriffenen Kriterien. Im Folgenden findet ihr ein Beispiel für eine Videorezension, eine weitere Suche lohnt sich aber bestimmt.

Video: Literatur ist alles: Arno Geiger ,,Unter der Drachenwand“ (Link hier)

Zur Sammlung von Argumenten zu einer Fragestellung (z. B. Beurteilung des Romans) eignet sich auch das digitale Tool Tricider. Diese Sammlung könnte zudem als Grundlage zum Verfassen einer eigenen (Video)Rezension dienen.

Den Autor Arno Geiger im Interview kennenlernen

Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren, die im Unterricht behandelt werden, lebt Arno Geiger (in Wien) und es existiert Videomaterial von Interviews mit ihm. Dieses ist sicherlich besonders interessant für Schülerinnen und Schüler, da Arno Geiger in diesen über die Entstehung seines Romans, den kreativen Schreibprozess und vieles mehr redet. Ein Video verlinke ich euch folgend inkl. Fragen, die im Video von Arno Geiger beantwortet werden.

Video: MDR Kultur: Arno Geiger: ,,Ein Buch über schmerzhafte Dinge.“ (Link hier)

  • In welchem Verhätnis stehen Sie als Autor zu den Figuren im Schreibprozess?
  • Warum schreiben Sie über eine solche Zeit?
  • Worum geht es in dem Roman?
  • Wie ist ein indivuelles Leben in einer faschistischen Diktatur möglich?
  • Die Rolle des Existenzialismus: Was haben Sie als Autor im Schreibprozess bewusst mitgedacht hat und was nicht?
  • Wie konzipiert ein Schriftsteller ein Buch?
  • Welche Rolle spielt Empathie in der Konzeption von Figuren?
  • Wie beschreiben Sie den Protagonisten des Romans?
  • Warum werden Namen mit H. Und F. abgekürzt?
  • Warum verwenden Sie Schrägstriche und alternative Wendungen?

Das Video kann gemeinsam im Unterricht oder alleine Zuhause angeschaut werden (Flipped Classroom), wobei die Antworten individuell dokumentiert/notiert werden. Eine anschließende Diskussion im Plenum greift Gedanken und Erkenntnisse der Lernenden zum Interview auf.

(Unbezahlte Werbung)

Photo by Radek Kozák on Unsplash (Das Foto wurde am Mondsee aufgeommen)

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